in Allgemein am 02. Juli 2010

Sucht man in Fach- oder populärwissenschaftlichen Publikationen nach dem Begriff “Entrepreneurship”, dann finden sich zwei Kategorien von Erklärungen: Die erste, allgemeine definiert den Entrepreneur als Unternehmer. Die zweite, spezifischere und in der Fachwelt überwiegend anerkannte Definition spricht vom Entrepreneur als Gründer eines Unternehmens, das neue Marktnischen identifiziert und durch diese Gründung bisher unerschlossene, innovative Geschäftspotentiale erschließt.

Dies erfordert vom Entrepreneur einiges mehr, als die Fähigkeit, ein Unternehmen zu leiten: Er ist eine i.d.R. charismatische und risikoaffine Persönlichkeit, der es nicht nur gelingt, im Markt neue Optionen aufzuspüren und diese in konkrete Geschäftsmodelle umzusetzen, sondern der es auch hervorragend beherrscht, Partner, Mitarbeiter und Kunden für die neue Geschäftsidee zu gewinnen.
Denkt man zum Beispiel an die Gründung eines Unternehmens, das in Zeiten der Wirtschaftskrise Produkte im Bereich Livestyledesign anbieten möchte, drängt sich die Frage auf, ob in dieser Marktsituation der Konsument überhaupt bereit ist, für Livestyledesign Geld auszugeben.

Das nächste Risiko besteht in der Lieferfähigkeit und Überlebenschance der notwendigen Lieferanten. Geldgeber und Banken reagieren negativ, zumindest aber konservativ. In dieser Situation zeigt sich der erfolgreiche Unternehmensgründer: Er ist alles andere als blinder Draufgänger im Goldrausch, kalkuliert vielmehr Risiken und Chancen und entwirft das passende Geschäftsdesign für die neu zu entwickelnde Nische. Zunächst oft totgesagt, wird es dem wahren Entrepreneur ” trotz Krisenpessimismus ” Schritt für Schritt gelingen, sein Geschäft aufzubauen. Jahre später wird man in ausführlichen Marktanalysen festgestellt haben, dass die Mehrzahl der Konsumenten überraschenderweise trotz Finanzkrise keineswegs auf Livestyledesign, aufwendige Fernreisen und andere Luxusartikel verzichtet hat. Das seinerzeit gegründete Unternehmen ist inzwischen in seinem Segment Marktführer und hat schon die nächste ungewisse Marktchance erfolgreich erschlossen.
Eine hypothetische Geschichte? Aktuell zeigt Apple-Gründer Steve Jobs, dass Entrepreneurship keineswegs ein Märchen ist, wenngleich eher die Ausnahme als die Regel. Glück, Instinkt oder systematische und hartnäckige Knochenarbeit auf dem Weg zum Erfolg? Meist geht es um eine Mischung all dieser Faktoren. Auch ein erfolgreicher Entrepreneur wird nicht jede Nische lukrativ erschließen. Ganz sicher wird er aber auch im Fall von Rückschlägen wieder aufstehen, sich selbst, sein Team und seinen Business Case neu sortieren und den begonnenen oder einen anderen erfolgversprechenden Weg konsequent fortführen.

Pings und Trackbacks

Kommentare

  • Thomas

    Das nenne ich mal eine gut recherchierte Erklärung für einen Entrepeneur. Wobei jeder Unternehmer, meines Erachtens, seine Chancen und Risiken analysiert und nicht gleichzeitig ein Entrepeneur ist. Allerdings mal weniger gründlich und ausgeprägt und damit auch mehr oder weniger erfolgreich. Entrepeneure verstehen es Risiken durch den Aufbau verschiedener Geschäftsfelder oder Zweige zu diversifizieren und werden, so wie Du es auch schreibst, auf die kurze oder lange Sicht Erfolg haben.